Als ich um die 40 herum noch mal studiert habe und auch noch das Latinum nachmachen musste, saß ich oft am Bahnhof, wartete auf die S-Bahn, den Block auf den Knien und machte Übersetzungen, um keine Zeit zu verlieren. Die Kinder waren noch in der Grundschule und Haus und Garten warteten auch auf meine liebevolle Hand ;-). Die Vorlesungen und Seminare wurden irgendwie/irgendwo eingepasst und auch zu Hause gab es noch jede Menge zu lernen. Da war die Zeit kostbar und oft war ich an der Grenze der Belastbarkeit.
Auf dem gegenüber liegenden Gleis stand der Ostende Express. Alleine die Tatsache seiner Anwesenheit und die Verheißung, in ein paar Stunden das Meer sehen zu können, hat mich oft getröstet. Ich habe mir immer gesagt: „Wenn du es nicht mehr aushältst, nimmst du den Ostende-Express und bist für ein paar Tage weg.“ Hab ich natürlich nie gemacht, nur beinahe. Und heutzutage würde ich den Zug nach Norddeich-Mole nehmen. Ab auf die Insel, da kann ich immer hin :-)
Gestern dachte ich mal wieder an den „Ostende-Express“. Aber ich kann Herrn April nicht mit allem hier alleine lassen. Außerdem habe ich heute wirklich Ferien – mal abgesehen davon, dass ich einkaufen muss (schon wieeeeder) und noch einen Arzttermin habe. Aber man wird ja noch träumen dürfen.

18. März 2008 um 12:33
beklemmende zeitknappheiten, du da mit dem block und gegenüber dieser zug!
eindringlich geschildert- und dass diese auswege möglich waren und sind, nur das lässt gut leben. zuckerles.
auch bei mir zerren ungeheure verspannungen. loslassen. oberflächlich gesehen ist es einfach. tief drinnen in den muskeln verhält es sich lange, lange.
was du schreibst, macht mut, tut gut!!!
gruß von sonia
18. März 2008 um 13:27
Ja, Ingrid, träum du ruhig. ;-)
Wichtig ist ja immer zu wissen: Man KÖNNTE, wenn man wirklich WOLLTE …
(Schönes Wolkenfoto! Auch was zum Träumen …)
LG – Ulrike
18. März 2008 um 20:39
ja, der ney-express bringt dich jederzeit auf die insel, wenn du das willst. und ich denke, das ist so ein zipfel, den jeder von uns braucht – egal, wohin man am liebsten möchte. bei mir ist das ähnlich mit der fähre … ich könnte sie jederzeit nehmen, wenn ich wollte. deshalb wird es auch nie den inselkoller geben. auf einer anderen insel, wo die verbindungen nicht so regelmäßig sind, könnte ich das nicht aushalten. auch ich brauche das gefühl, dass ich jederzeit gehen/fahren kann, wenn ich will.
18. März 2008 um 23:51
[...] durch den Ostende-Express von [...]
22. März 2008 um 14:21
guck mal im doppelpunkt-blog (s. meine blogroll)- da hat sich jemand durch das hier inspirieren lassen….
nächste woche werde ich auch wieder auf großen bahnhöfen sein…
gruß von sonia