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15. März 2008
Fliegen in Formation

Ströme von Blut

7. März 2008

Ein Drittes muss ich aber jetzt nicht haben. Nach dem Erste-Hilfe-Leisten gestern musste ich heute wieder ganz cool bleiben. Zuerst besprenkelte der Knabe seine Klassenarbeit mit roten Flecken. „Ich habe Nasenbluten.“ Seine eigenen Papiertaschentücher sind rasend schnell durchtränkt. Ich organisiere mehr und jedesmal, wenn er eines auswechselt, schießt das Blut heraus. Erschreckend. Aber ich darf mir nichts anmerken lassen.

Ein merkwürdiges Bild: die Lehrerin legt dem Schüler immer wieder ein nasskaltes Handtuch in den Nacken und hält es dort beruhigend fest, er hält mit einer Hand ein Taschentuch an die Nase, mit der anderen schreibt er weiter. Ja, er hat sich nicht davon abhalten lassen, die Klassenarbeit zu Ende zu schreiben. Der per Handy angeforderte Schulsanitäter erscheint nicht. Ich überlege, ob man auf die Art verbluten kann und ob ich zum zweitenmal innerhalb von 24 Stunden die „112″ wählen muss.

Endlich lässt die Blutung nach. Er fragt mit Blick auf seine besprenkelte Klassenarbeit, ob das schlimm sei. „Na klar,“ sag ich, „jeder Fleck ein Fehler“. Er kann wieder lachen.


Du weißt nicht, was du bloggen sollst?

7. März 2008

Kein Problem, setz dich einfach abends ins Wartezimmer der Notaufnahme eines großen Krankenhauses in einer großen Stadt. Aber Stift und Papier nicht vergessen. Oder einfach nur die Augen schließen und alles mental abspeichern. Manche Gedanken verfliegen allerdings in der Fülle der Eindrücke.

„Ich glaub, ich muss brechen“, sagt der große Grauhaarige und steht ratlos da. Wir Wartenden dirigieren ihn nach rechts, zu den Schwestern. Er kommt mit einer Nierenschale zurück; die sind heutzutage aus Presspappe. Damit setzt er sich wieder auf seinen Plastikstuhl neben den großen Ficus mit den verstaubten Blättern. Als er fertig gewürgt und gespuckt hat, verrät er uns Wartenden seinen Beruf, unwillentlich. Er ist Pfandflaschensammler. Im Papierkorb entdeckt er nämlich eine weggeworfene Flasche und ist ganz begeistert, dass sie ihm 25 Cent bringen wird. Da hat er sicher einen Moment die alkoholbedingte Übelkeit vergessen.

Die alte Dame, die schon seit fünf Minuten auf der Trage des Notdienstes liegt, lässt sich nicht so leicht ablenken. Sie jammert und fleht: „Bitte, lieber Doktor, komm doch und hilf mir.“ Die Sanitäter kümmern sich liebevoll um sie und versuchen sie zu beruhigen. Wer einen tollen Mann sucht, sollte sich unter ihnen umsehen. Überhaupt, meine allergrößte Hochachtung gilt den Schwestern und Ärzten in Krankenhäusern und sonstigem Rettungspersonal.

Das in regelmäßigen Abständen ertönende „Ah-ah-ah“ wird zu „Hallo-hallo-hallo“. Zufälligerweise kommt einer von uns Wartenden an der halb offenen Tür vorbei und kann eine Schwester zu dem offensichtlich verwirrten, alten Mann schicken, der aus dem Bett gefallen ist.

Apropos Bett – es ist 0.00 Uhr und mein Bett ruft jetzt auch. Also brech ich hier einfach ab. (Es ist übrigens alles glimpflich ausgegangen.)


Ich bin ein Spießer …

5. März 2008

… denn meiner Ansicht nach ist ein Versprechen ein Versprechen – ohne ‘Wenn und Aber’. Wenn man nicht sicher ist, es halten zu können, sollte man es nicht machen. Aber zuerst etwas versprechen, um Wählerstimmen zu bekommen und dann wieder umschwenken, pfui, pfui, pfui.

Was soll das überhaupt, vor der Wahl zu versprechen, dass man mit dieser oder jener Partei nicht koalieren wird? Dass man mit radikalen Parteien keine Gespräche führt, ist eine Selbstverständlichkeit und muss nicht extra versprochen werden. Aber dass man mit einer anderen demokratischen Partei keine Gespräche führen will, ist undemokratisch und politisch erbärmlich. Jede Partei muss grundsätzlich bereit sein, mit jeder anderen Partei zu verhandeln und eventuell eine Koalition zu bilden. Und ein Versprechen ist ein Wert und es ist gegen die Ehre, es zu brechen.