…, nicht lustig-komisch, so kommt einem ausländischen Jugendlichen das deutsche Rechtssystem vor (in einem Forum gelesen). So kann man es mit viel Ironie und Sarkasmus auch sehen. Gestern wurde der inzwischen 18-jährige sog. “Koma-Schläger” zwar für schuldig befunden, aber der Richter blieb noch unter dem Antrag des Verteidigers. Erdinc S. wird nicht bestraft: keine Strafe auf Bewährung, keine Geldstrafe, noch nicht mal Sozialstunden. Er muss lediglich eine Psychotherapie und Anti-Aggressionstraining machen.
Da schlägt ein (damals) 17-Jähriges Gangmitglied einen Mann vor den Augen von vier Kindern so stark, dass der eine Schädelfraktur erleidet, mit dem Kopf an eine Telefonzelle knallt und ins Koma fällt. Er wird nie mehr ganz gesund werden, während der Täter geschniegelt und gestylt und offensichtlich gut durchtrainiert aus dem Gerichtssaal spaziert, UNBESTRAFT. Nach seinen eigenen Aussagen kann er sich nicht beim Opfer entschuldigen, da das ‘gegen seine Ehre sei’.
Unglaublich der Gerichtssprechers: „Er hat die Provokation nicht gesucht, sondern so, wie es im Milieu üblich ist, adäquat gehandelt.“ Dabei war diese Tat nicht seine erste. Erdinc S. gilt als Intensivtäter.
Es kann nicht sein, dass man solch eine Tat begeht und dann nicht zur Verantwortung gezogen wird. Das ist sicher im Strafgesetzbuch, auch im Jugendrecht, nicht so gewollt. Was denkt sich dieser Richter? Steht er unter Druck? Ist er bedroht worden? Bestochen? Sind das seine ganz speziellen Ansichten?
Mal abgesehen davon, dass so ein Urteil dem Opfer hohnlachend ins Gesicht schreit, sehe ich noch andere Gefahren:
Der Glaube an die Gerichte, an Gerechtigkeit leidet Schaden und das ist nicht gut. Die Braunen stürzen sich auf solche Fälle und schlachten sie aus; das ist nicht gut. Der Gedanke an Selbstjustiz kommt auf und das ist nicht gut. Jugendliche sehen, dass sie selbst mit schlimmen Taten, selbst als Wiederholungstäter durchkommen und das ist nicht gut. Wie sollen wir mit Gewalt in der Schule umgehen, wenn es selbst vor Gericht keine Sanktionen gibt. (Noch ein Grund, warum ich froh bin, aufhören zu dürfen).
Joachim Frank vom Kölner Stadtanzeiger sieht es genau so in seinem Kommentar.
Mai 30, 2008 um 6:57
Leider ein weiteres Beispiel dafür, dass in diesem Land die Täter immer noch wichtiger sind als die Opfer – das war schon immer so und ich fürchte, das bleibt auch so. :( Ich teile Deine Empörung und Befürchtungen!
Juni 1, 2008 um 4:57
wie wahr!
Juni 6, 2008 um 11:47
mich wundert, das der täter nicht noch auf kosten der steuerzahler zur resozialisierung 6 wochen auf einem segelschiff oder in einem camp in finnland verbringen durfte….
jugendliche hamburger straftäter dürfen das!
jedesmal ein schlag ins gesicht für die eltern der opfer, die ihren kindern das nicht ermöglichen können!
lg
shayanna
Juni 6, 2008 um 11:56
Heute haben sich die Kölner Jugendrichter in einem offenen Brief über die ungerechtfertigte, unmäßige Kritik an diesem Urteil beschwert. Sie sehen das alles anders (was ich wiederum nicht verstehen kann). Es gibt auch viele Juristen, die dieses Urteil kritisiert haben. Ich denke, das war mal ordentlich an der Wirklichkeit vorbei, denn die Auswirkungen werden in mancherlei Hinsicht fatal sein.