29. Juni 2008
Ich hab’s ja gesagt, auch wenn mir der erste Krimi nicht in allen Aspekten gefallen hat, werde ich Fred Vargas noch eine Chance geben, eine meiner Lieblings-Autoren zu werden. Und das war gut so.
„Bei Einbruch der Nacht“ hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen, nicht nur wegen der Sprache, der genial einfachen, aber trotzdem aussagekräftigen Dialoge, nicht nur wegen der skurrilen Typen, die dieses Buch bevölkern, sondern diesmal stimmte auch der Plot – für mich zumindest. Die Überraschung kommt am Ende und ähnelt der von „Fliehe weit und schnell“, erscheint mir aber nicht mehr so unwahrscheinlich.
Ein „Werwolf“ geht um, reißt Schafe und beißt schließlich auch der dicken Suzanne die Kehle durch. Ihr schwarzer Ziehsohn Soliman, der alte Schafhirte „Der Wächter“ und Camille, die ich als Freundin von Komissar Adamsberg bereits kennengelernt habe, machen sich mit einem alten, nach Wollfett stinkenden Viehtransporter auf den Weg, den der verdächtige und inzwischen verschwundene Einzelgänger Massart auf einem Plan eingezeichnet hat. Weil sie irgendwann nicht mehr weiter wissen, bittet Camille ihren ehemaligen Geliebten Komissar Adamsberg um Hilfe. Er schafft es in seiner unnachahmlich intuitiven Art, den Mörder zu überführen. Mehr soll nicht verraten werden.
Noch ein Wort zum Skurrilen: Soliman, der ein Wörterbuch auswendig gelernt hat, Camille, die sich beim ‘Lesen’ von Werkzeugkatalogen entspannt, ‘der Wächter’, der während seiner Reise telefonisch mit seinen Schafen spricht und der seinen Hund Interlock genannt hat … Wer findet, dass diese schrägen Typen übertrieben gezeichnet sind, dem sei gesagt, es gibt sie, genau die. Ich habe sie selbst während einer Frankreichreise gefunden.
Gute Rezensionen und noch ein wenig mehr in Liisas Litblog.
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28. Juni 2008
„Und – wie fühlst du dich jetzt als Rentnerin?“ – „Öhhhm, Rentnerin, bin ICH das?“ Tja … frag mal, wenn einer Geburtstag hat: „Wie fühlst du dich jetzt mit … ? Eigentlich wie immer.
Noch fühlt es sich an wie ‘am Wochenende’ und danach wird es sich anfühlen wie ‘Urlaub’. Aber ein kleines bisschen ist doch anders: die Sachen, die man ordnen muss, wandern in den Papierkorb und nicht in den Aktenordner. Und so manche Papiere in den Aktenordnern finden sich auch in der Papiertonne wieder.
Das Gefühl, die kostbaren Ferientage für alles Mögliche nutzen zu müssen, ist verschwunden. Ich muss jetzt nicht an das nächste Schuljahr denken und Projekte vorbereiten, um mich im neuen Schuljahr zu entlasten.
Ich habe nicht nur viele kleine und große Geschenke bekommen, sondern das Geschenk des Lebens selbst. Und ich will verdammt dankbar dafür sein. Es ist unbeschreiblich.
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27. Juni 2008
Es gibt ja rituelle Reinigungen – ob ich die jetzt nötig hatte? Die ‘professionelle Zahnreinigung’ sollte man wohl öfters mal machen lassen. Zufälligerweise war mein Termin gerade heute. Das passt irgendwie.
Erste Runde: Zahnstein entfernen. Währenddessen habe ich zur Ablenkung Elefanten rosa gefärbt, Äpfel aufgeschnitten und sie in in alle möglichen Farben getaucht – alles visuelle Übungen aus dem Buch, das ich gerade lese (das mal später).
Zweite Runde: Jetzt wurde es richtig unangenehm – Sandstrahlen, jedenfalls fühlt es sich so an, wenn die Reinigungskristalle die Zunge treffen (‘Pulverstrahl’ heißt es). Da hilft es auch nicht, dass man sich eine Geschmacksrichtung aussuchen kann, Zitrone oder Cassis z.B.
Dritte Runde: die Zahnseidenprozedur und dann noch mit einem blauen „Schmirgel“bändchen dazwischen.
Vierte Runde: wie angenehm … nur noch entspannen und polieren und mit Fluorid-Gel einpinseln lassen. Fertig!
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26. Juni 2008
Letzter Schultag – der allerletzte meines Lebens und die allerletzte Dienstbesprechung, die mich schon gar nichts mehr angeht. Die offizielle Verabschiedung war gestern; heute keine Rührseligkeit mehr, nur noch lässiges und entspanntes Abwickeln einiger Kleinigkeiten – dachte ich.
Nach dem offiziellen Teil stehen alle noch ein bisschen zusammen, unterhalten sich über Urlaubspläne und lassen die Anstrengung der letzten Tage und Stunden von sich abfallen. Ich bin schon gestern reich beschenkt worden, aber überraschenderweise kamen noch einige private Geschenke dazu. Die ersten brechen auf, viele Hände sind zu schütteln, noch eine letzte Umarmung und dann geriet meine Gelassenheit aus dem Gleichgewicht … Her mit dem Taschentuch.
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26. Juni 2008
So dachte ich als ich wach wurde und wieder, als ich auf dem Zahnarztstuhl Platz nahm. Ausgerechnet an meinem Abschiedstag mit der ellenlangen To-do-Liste musste ich noch den Punkt „Rausgefallenes Inlay wieder einkleben lassen“ dazwischen schieben.
Aber alles fügte sich und so saßen wir am frühen Nachmittag auf der Wiese unter alten Bäumen, um den Abschluss des Schuljahres und meinen Abschied zu feiern. Das Buffet wurde ohne mich geplündert, denn ich konnte vor Aufregung nur Flüssiges zu mir nehmen, Orangensaft.
Ich mag es überhaupt nicht, im Mittelpunkt zu stehen und vielleicht auch noch geistreich sein zu müssen, doch auch hier fügte sich alles auf angenehme Art. Der Chef hatte sich ein paar Daten aus meinem Personalbogen zusammengestoppelt und am Ende das übliche Lob angefügt. Witzig wurde es, als der junge Lehrerratsvorsitzende ein paar Worte sagte; es war dann eher eine Art Dialog mit mir. Danach waren die Fachschaften dran und die persönlichen, sehr zutreffenden Worte meines Lieblingskollegen haben mich doch nahe an den Rand des Tränenteichs getrieben.
Kurz und gut, es war locker, wehmütig, lustig, witzig, persönlich. Sie haben mir einen wundervollen warmherzigen Abschied bereitet.
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