So weit will ich nicht gehen – womit ich nicht den hübschen Blusenausschnitt meine, sondern die Nationalfarben auf dem Kopf. Wem’s aber Spaß macht, der soll es ruhig tragen und leiden, denn es ist kein Perückenwetter hier in Köln.
Ich habe heute mein Auto geflaggt, auch wenn es einige peinlich finden. Es ist nicht nur ein Anklang an das Sommermärchen, das damals auch Nicht-Fußball-Begeisterte in Euphorie versetzte, sondern – für mich war es ein Schlüssel-Erlebnis.
Seit ich denken kann, habe ich mich immer ein bisschen geschämt, Deutsche zu sein, diese fürchterliche Vergangenheit zu haben – und bloß keine Flagge oder gar Nationalhymne. Nicht nur, dass wir in der Schule über unsere beschämende Vergangenheit informiert wurden, die immer auf uns lasten wird, sondern auch wegen diverser Erlebnisse im Ausland.
Als Jugendliche betrat ich mit meinem Vater einen Pralinenladen in Zandvoort (Niederlande) – eisiges Schweigen – bedient wurden wir, aber ich habe mich in Grund und Boden geschämt. – Oder in einem intimen kleinen Restaurant in Kopenhagen. Die Einheimischen am Nachbartisch hörten, dass wir Deutsche sind und wenn ich auch die Bemerkungen in dänischer Sprache nicht verstanden habe, so doch sehr wohl das zackige militärische Persiflieren – „jawoll!“. Das Essen hat dann nicht mehr geschmeckt und der Völkerverständigung dienen solche Erlebnisse auch nicht.
Jetzt aber ist für mich persönlich Schluss damit. Ich will mich nie mehr schämen, Deutsche zu sein. Ich übernehme die Verantwortung für unsere Geschichte insofern, als ich darum weiß, es zutiefst bereue und alles tun will, dass so etwas nie wieder passiert. ABER – ich will mich nicht mehr klein machen müssen, ich will ich selber sein (jetzt endlich) und ich bin eben Deutsche und stolz darauf. Trotz aller Unzulänglichkeiten haben wir ein wundervolles Land; die meisten Menschen sind tolerant und wir haben auch Humor (den man uns im Ausland heute noch abspricht).

8. Juni 2008 um 18:23
hmmmm … über den beitrag habe ich lange nachgedacht. weil ich mich mit dem thema noch nie eingehend beschäftigt habe, ich fühle mich einfach als mensch auf diesem planeten.
9. Juni 2008 um 21:14
Für solche Gedanken bin ich vor ein paar Jahren als ganz schlimmer Nazi hingestellt worden. Vielleicht kannst Du Dich noch erinnern? :-))
Aber ich habe meine Meinung bis jetzt nicht geändert und denke genau wie Du. Warum soll es uns nicht vergönnt sein auf unser Land Stolz zu sein und mit Heimatgefühlen genauso natürlich umzugehen wie alle anderen Nationen?
Mal noch was anderes, hast Du eigentlich ein Bandmaß, an dem jeden Tag ein cm abgeschnitten wird? Mein Kollege hatte eines und jeden Morgen wurde bei einem feierlichen Ritual ein cm davon abgeschnitten, bis sein letzter Arbeitstag anbrach … ;-))
Liebe Grüße
Jörg
9. Juni 2008 um 21:49
Ja, so ganz schwach erinnere ich mich. Schlimm das. Ich weiß, dass ich keiner bin und dass auch du keiner bist.
Ein Bandmaß habe ich zwar nicht, aber einen Kalender, auf dem mal Moooonate drauf waren. Viel ist nicht mehr dran, alles abgeschnitten *freu*. Das wird noch ein so kleines Schnipselchen, dass ich aufpassen muss, dass es nicht verloren geht.