Sag es JETZT!!!

Die letzte Zeugniskonferenz meines Lebens, fast fand ich sie schön (aber auch nur fast *g*), wenn nicht draußen – entgegen aller Vorhersagen – strahlendes Sommerwetter gewesen wäre. Trotzdem, so leicht und locker müsste man sich immer fühlen. Der junge Kollege neben mir flüstert mir zu, warum ich nicht noch bleibe, er fände meine Bemerkungen so erfrischend. (Ich fand sie eher einen Hauch respektlos). „Nun seid doch nicht alle so nett zu mir, sonst muss ich zum Abschied noch weinen.“ Dabei bin ich froh, wenn ich dieses Tollhaus für immer verlassen kann.

Ich hätte nicht gedacht, dass man mich demnächst vermissen wird (zumindest behaupten das einige). Und schade, dass ich nicht schon vorher mal hin und wieder solche Nettigkeiten gehört habe. Manchmal hätte ich es gebraucht.

Da wird man nachdenklich und fragt sich, ob man selbst nicht auch diesem oder jenem mal ein paar liebe, ermutigende oder lobende Worte hätte sagen können. Irgendwann könnte es zu spät sein … Kritik ist leicht geäußert, aber ein Lob, ein bisschen Anerkennung oder den allerliebsten Menschen sagen, was sie einem bedeuten, das sollte man nicht allzu lange verschieben. Wie gesagt geschrieben, es könnte auch mal zu spät sein. Ich denke da an meinen verstorbenen Vater. Ihm kann ich nichts mehr sagen, aber es gibt noch genügend Lebende, die sich freuen würden und die man damit glücklich machen könnte.

Ich nehm’s mir vor und fange gleich heute Abend damit an.


5 Antworten zu „Sag es JETZT!!!“

  1. piri sagt:

    Meine aufmunternde Worte sind, dass ich deine Schreibe mag und gerne hier lese. Mach weiter so, als Lehrerin oder eben als Mensch!

    Gruß, piri

  2. wildgans sagt:

    weißte, an meiner schule haben nette worte raritätenstatus! einmal lobte ich eine kollegin sehr für ein gutachten, das sie so kompetent erstellt hatte. sie schaute mich argwöhnisch und merkwürdig an. auf diesen blick angesprochen meinte sie, ob ich sie denn wohl verarschen wollte! als ich ihr meine guten absichten liebevoll erklärte, fing sie fast an zu weinen- und meinte, sie wäre an der schule noch NIE gelobt worden….
    warum ist das so verdammt schwierig….(in unserem beruf gibt es von jeher sehr viele korinthenkackeroberlehrerberichtigungsrechthabetypen…)
    freu dich mal auf deine neuen wege, gelle.

  3. bonafilia sagt:

    Jeden Abend sagen was gut/schön war….ein Ritual das ich mit meinen kleinen Kindern, heute mit meiner 4-jährigen Tochter immer am Bettchen noch bespreche.
    „Wie war dein Tag Liebling?“"Was war besonders schön“…und schon rutsch ein Lob heraus, doch je älter meine Jungs wurden umso seltender spielten wir dieses Ritual durch. Da passt es sich gut das wir erst gestern die Aufgabe unserer Psychologin erhalten haben dieses Ritual zu einer Renaissance zu verhelfen. Ein Lob…an ein großes Kind fällt manchmal schon sehr schwer, wir erkennen es als Selbstverständlichkeit, an einen Erwachsenen in dieser Welt der Konkurrenten kaum denkbar. Ich lobe viel zu selten doch sauge ich jedes Lob das an mich gerichtet wird wie ein Schwamm auf….ich muss und werde nun mehr lobe.

  4. mona lisa sagt:

    Es gab doch eine Zeit lang Aufkleber mit der Frage: Hast du heute dein Kind schon gelobt?
    Könnte man mit den Kindern, aber vielleicht auch mit sich selbst machen. Wertschätzt man das, was man den Tag über gemacht hat eigentlich selbst ? Täte man es, wäre man vielleicht auch weniger auf das Lob anderer angeweisen, was nicht heißt, dass Lob und Anerkennung anderer nicht gut tut.

  5. april sagt:

    Danke, piri, ich habs ja schon bei dir geschrieben, dass ich mich freue, dich durch Zufall wiedergefunden zu haben.

    Wildgans,
    dann habe ich es ja sehr gut bei uns. Es gibt viele nette Worte, manchmal ein etwas zu großes Harmoniebedürfnis – es stimmt auch nicht zwischen allen, aber im Großen und Ganzen ist es gut. Das weiß man sicher auch erst zu schätzen, wenn man liest, dass es bei anderen nicht so ist.

    Bonafilia,
    tja, dann üben wir uns doch alel darin, anderen das zu geben, was wir selber so gerne haben.

    Mona Lisa,
    das ist natürlich auch ein Aspekt … sich selbst zu loben und zu lieben. Man liest ja imemr wieder, wie wichtig das ist.

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