Eine Horrorvorstellung, auch in unseren modernen Zeiten: die Pest kehrt zurück, diese apokalyptische Bedrohung aus dem Mittelalter. Doch bevor in Paris die erste Leiche mit schwarzen Flecken gefunden wird, in ihrer Nähe ein Briefumschlag, in dem Rattenflöhe waren, nimmt der Kriminalroman ganz gemächlich seinen Anfang.
Es mag sein, dass dies nicht jedermanns Sache ist, aber mir hat der Schreibstil von Fred Vargas gleich so gut gefallen, dass ich mir gerne die Geschichte des bretonischen Seemanns Joss habe erzählen lassen, der in Paris ein neues Auskommen in einem eigentlich ausgestorbenen Beruf findet, als Ausrufer. Es ist sicher die Zeichnung der skurrilen Charaktere und die Gestaltung der Dialoge, die den Reiz des Buches ausmachen. Spannung kommt auf, als Joss täglich altertümliche, bedrohlich klingende Texte zum Ausrufen vorfindet.
Um den ersten Handlungsstrang windet sich ein zweiter, in dem wir Komissar Adamsberg und seinen Inspektor Danglard kennenlernen, spontan-intuitiv der eine, logisch-analytisch der andere. Die Spannung steigt, als der Polizei geheimnisvolle Zeichen an den Türen einiger Häuser gemeldet werden. Und bald taucht die erste Leiche auf, der weitere folgen. Obwohl die Polizei den Tod durch Strangulation feststellt, bricht in der Stadt eine Panik aus.
Am Ende wird der Mörder, der auch in anderen Städten Frankreichs seine todbringenden Umschläge verteilt, in Paris gestellt. Der Schluss ist nicht nur überraschend, sondern in meinen Augen auch leider unglaubwürdig. Warum, verrate ich hier nicht, denn vielleicht möchte jemand den Roman trotzdem lesen. Ich jedenfalls werde mir noch einen anderen Roman von Vargas vornehmen bevor ich ein endgültiges Urteil fälle.
Fred Vargas ist der Künstlername von Frédérique Audoin-Rouzeau (Wikipedia). Der deutsche Aufbau-Verlag hat eine interessante Serie von Podcasts herausgebracht, in denen man mehr über die Schriftstellerin erfährt.
Juni 22, 2008 um 2:33
Ich lese auch gerade Fred Vargas – nicht das erste mal! Vielleicht aber das letzte mal, denn der Schluss, an dem hapert es meisten, er ist gerne konstruiert. Dafür sind die agierenden Personen gut beschrieben – und doch könnte der Spannungsbogen dynamischer sein …
Juni 22, 2008 um 3:45
Piri, dann bin ich mal gespannt auf den nächsten Vargas. Mich erstaunt, wie hochgelobt sie ist. Schade, dass ihr Lektor sie nicht dazu bringt, mehr auf einen guten Plot zu achten.
Juni 22, 2008 um 6:11
Mir hat der Krimi nicht sonderlich gefallen (s. Kritik auf meinem Blog!)
Eine Chance bekäme sie noch, doch dann würde ich mich nicht bis S. 155 quälen wollen.
Juni 29, 2008 um 11:14
[...] stimmte auch der Plot – für mich zumindest. Die Überraschung kommt am Ende und ähnelt der von “Fliehe weit und schnell”, erscheint mir aber nicht mehr so [...]