Küsschen – Küsschen

30. September 2008

Bologna mit seinen vielen Studenten ist natürlich voller Motorroller. Diese nette kleine Szene beobachtete ich an unserem ‘richtigen’ ersten Tag in Bologna. Natürlich haben wir die üblichen Besichtigungen gemacht …

Geärgert hat mich, dass man wieder mal wegen der Gefahr terroristischer Anschläge eine Kirche nur unter Schwierigkeiten besichtigen konnte. Es versteht sich von selbst, dass ich mich nicht über die italienischen Sicherheitsvorkehrungen beklage, sondern über m.us.li.mische Fanatiker.

San Petronio, die Unvollendete, aus Backstein gebaut und nur vorne und im unteren Teil mit Marmor verkleidet. Kaiser Karl V. wurde hier gekrönt. Innen gibt es Arkadengänge und die sog. Mittagslinie, eine astronomische Messlinie. – Die Kirche ist weiträumig abgesperrt und man darf keine Taschen oder Kameras mitnehmen und man wird durchsucht. Wir haben verzichtet.

Und warum das alles? In einer der Kapellen gibt es eine Darstellung des Weltgerichts. Dort wird dem Pro.pheten M.oh.am.ed wegen Spaltung des Glaubens der Bauch aufgeschlitzt.

Da sind wir lieber zum Heiligtum der Madonna von San Luca hinaufgestiegen (Fortsetzung folgt).


Ich höre schon die Möwen …

28. September 2008

…, rieche die salzige Luft, spüre das Prickeln und freue mich auf die Freundin, die ich allzu lange nicht gesehen habe. Wir werden uns viel zu erzählen haben (was sind schon Telefonate und Mails!) und das Wetter ist mir jetzt auch egal.


Kommunikationsstörungen

27. September 2008

Er wollte uns etwas sagen – glaube ich – aber wer versteht schon Automaten? Und die von der DB schon gar nicht. Dabei kann dieses arme Ding nix dafür, so einem ‘Verein’ anzugehören. € 9,90 war der Preis, Mr. April bezahlt mit einem Zwanziger, zumindest wollte er das. Aber wie der Schein auch gedreht und gewendet wurde, er wurde zunehmend verzweifelt vom Automaten ausgespuckt und von uns ebenso wieder zurückgenommen. Bis der nette Herr im Schalterverkauf erklärte, dass man in diesem Fall maximal mit einem Zehner bezahlen darf. ??? Wo steht das? Wer weiß das?

Der Automat verdrehte verzweifelt die Augen und gab dann auf. ‘Wenn die nicht anders wollen und mich nicht verstehen …’ dachte er und spuckte den Fahrschein aus. Dabei schien er uns warnen zu wollen …

Wir warteten frohgemut auf den Zug der nicht kam – Totalausfall. Der Nächste? Wer weiß? Herr ‘Mehlwurm’ vielleicht, dieser Möchtegern-Börsianer? Zusammengefasst: zwei Züge fielen aus, der dritte wurde selbst mit Verspätung dankbar bejubelt, nein, gestürmt. Auch der kleine Paniker, der sich vordrängen wollte, musste warten und maulte, weil ich mich nicht abdrängen ließ.

Hätte ich vielleicht, denn es kann immer noch schlimmer kommen. Was ist das Schlimmste?? Richtig! Ein Kegelclub. Bei meinen geringen Erfahrungen in diesem Metier weiß ich allerdings nicht, ob Frauen- oder Männerkegelclubs schlimmer sind. Macho-Sprüche oder Kreischen? Bier oder süßer Sekt? (Wie heißt er doch gleich? Asti spumante?)

Es ist immer DAS schlimm, was man gerade erleiden muss, in diesem Falle die Kegelbrüder: stinkend und schwitzend, Dosenbier saufend und blöde Sprüche klopfend ließen sie sich rund um uns nieder. „Warum seid ihr nicht aufgestanden und weggegangen?“ Ja, wohin denn, wenn zwei Züge ausgefallen sind und die Menschen mit ihrem Gepäck schon in den Gängen und auf den Plattformen stehen?

Mr. April schließt ergeben die Augen, ich öffne ergeben meinen Roman, aber konzentrieren kann man sich nicht, wenn über einen hinweg gebrüllt wird. Endlich unsere Station. Nichts wie raus. Warum rennt Mr. April nur so schnell? Sonst schimpft er immer über meinen Lehrerinnenschritt und fragt, ob ich gleich eine Unterrichtsstunde hätte? Jetzt will er nur ‘nur noch weg’ als ob der Teufel hinter seiner armen Seele her wäre. Dabei sind es doch nur die Kegelbrüder.

Und der Rest war dann schön, oder? Nun ja … Mr. April wollte sich lieber auf die Rheinsteig-Symbole verlassen als auf mich. Das hat er bitter bereut. Doch ja, das Ende war gut, gestern …


Wir gehen in die Bar

27. September 2008

Sie hat mit der deutschen Bar überhaupt nichts zu tun und scheint eine wichtige Einrichtung des täglichen Lebens in Italien zu sein. Sie ist ein bisschen Café, ein bisschen Eckkneipe, ein bisschen Stammkneipe, ein bisschen Treffpunkt und noch viel mehr. Man findet sie überall, vorzugsweise an belebten Straßen. Überall, wo ein bisschen Platz ist, stehen ein paar Stühle und kleine Tischchen, denn das Leben in Italien findet so weit wie möglich draußen statt.

Wir hatten es schon in Verona kennengelernt: Man bestellt einen Aperitif – nach Art des Hauses oder Prosecco – und dann gibts dazu ‘Leckerchen’: Kleinigkeiten wie Bruschetta, Chips, Oliven oder was der findige Barbesitzer sich so einfallen lässt. Das ist im Preis mit drin. Manchmal gibt es auch ein kleines Buffet, an dem man sich selbst bedienen kann.

Das ist mal eine Einrichtung, die mir gefällt und die man importieren sollte ;-) Allerdings muss man fein aufpassen; die Preisunterschiede sind riesengroß.


Von Illusionen und Vorurteilen

25. September 2008

Normalerweise ist es gut, wenn man seine Vorurteile verliert, aber wenn es positive sind wie z.B. „Die italienische Küche ist toll“, Die Italiener sind so nett“, dann ist es ein ganz klein wenig bitter, gegenteilige Erfahrungen machen zu müssen und diese positiven Einstellungen nicht aufrecht erhalten zu können. Aber – wie immer – das ist alles nicht repräsentativ und wenn man in eine andere Gegend fährt, kann es wieder total anders sein. Ich berichte also nur von unseren ganz punktuellen Erfahrungen …

Eigentlich sind Empfehlungen von Einheimischen der Geheimtipp schlechthin; an diesem ersten Abend in Bologna endete alles in Enttäuschung. Das erste Restaurant war schon ausgebucht. Es sah leer aus, aber alle Tische waren wohl reserviert. Dass es stimmte, haben wir später gesehen.

Das zweite war leeeeeer. Klar, wenn man um 19.00 Uhr essen geht (für Deutsche spät, für Italiener viel zu früh), dann ist das so. Ich hatte mir so viel Mühe gemacht und extra aus dem Internet eine Liste mit Speisen ausgedruckt, aber …

Der sehr ernste Kellner fragte als erstes nach Wasser. Wir  hätten gerne an diesem ersten Urlaubsabend einen Aperitif gehabt. Fehler!!! Dazu geht man vorher in eine Bar. (Davon mal später). Also ein Glas Wein und Wasser, ‘acqua minerale frizzante’ zur Speisekarte, damit der Kellner vielleicht freundlicher guckt. Das Menü hätte genau so gut in Portugiesisch sein können. Die Grundwörter versteht man (agnello=Lamm), aber dieses ‘alla …’ kann man manchmal auch im Deutschen nicht entschlüsseln. Oder wisst ihr, was ‘auf badische Art’ bedeutet?? Ne? Na also!

Auch die Konsultation des kleinen Wörterbuchs und des Sprachführers half da nicht weiter, der Kellner schon gar nicht. (Ich spüre schon wieder Wut auf ihn …). In Italien gibt es immer als erstes Gericht Pasta (primo piatto) und dann das secondo, irgendein Fleischgericht oder Fisch, zu dem man die Beilagen extra bestellt. Natürlich kann man auch noch eine Vorspeise (Antipasto) nehmen, aber wer hat so viel Platz im Magen?

Nach den anstrengenden Konsultationen sanken wir lässig zurück und taten unsere Bestellung kund. Doch das von uns Ausgesuchte war gerade ausgegangen, sowohl primo als auch secondo. Na wenn schon, inzwischen war es uns egal, welche Art von Pasta wir essen würden. Dann eben kein Bauchnabel. ??? Ja, die Bologneser erheben für sich den Anspruch, die Tortellini erfunden zu haben. Sie sähen so aus wie der Bauchnabel der Venus. Also heute keine Bauchnäbel. Die werden teils selbst gemacht, teils in der ‘Fressgasse’ gekauft:

Um es kurz zu machen: die Pastasoße ein wenig zu fett, der Salat zu kalt, die Tomaten geschmacklos (aus Ho.ll.and?), der Kellner nicht in der Lage, verständlich oder gar langsam Italienisch zu sprechen oder die Mundwinkel zu einem Lächeln zu verziehen. Aber das Hauptgericht: winzige Lammkoteletts, trocken und zäh. Bäh!

Ein voll gelungener Abend ;-( Und da ich schon mal das Essen kritisiere, mach ich es hier in einem Aufwasch und berichte danach nur noch von positive Essensdingen.

MEINE Salatsoße schmeckt uns besser; es gefällt mir nicht, Essig und Öl einfach nur drüber zu gießen. Btw.: auch ich benutze kaltgepresstes Olivenöl bester Güte und Essig aus Modena, schon seit längerem. – Ich finde es ungesund, erst allerfrühestens um 19.00 Uhr mit dem Essen zu beginnen und ich weiß nicht, wer das alles essen soll. Erster Gang: Pasta, zweiter Gang Fleisch oder Fisch mit Beilagen. Ich bedauere es immer sehr, am Ende keinen ‘Platz’ mehr für die ‘dolci’ zu haben, die wirklich sehr guten italienischen Desserts.

Und dann gibts da noch die Sache mit den Aperitifs …