Normalerweise ist es gut, wenn man seine Vorurteile verliert, aber wenn es positive sind wie z.B. „Die italienische Küche ist toll“, Die Italiener sind so nett“, dann ist es ein ganz klein wenig bitter, gegenteilige Erfahrungen machen zu müssen und diese positiven Einstellungen nicht aufrecht erhalten zu können. Aber – wie immer – das ist alles nicht repräsentativ und wenn man in eine andere Gegend fährt, kann es wieder total anders sein. Ich berichte also nur von unseren ganz punktuellen Erfahrungen …
Eigentlich sind Empfehlungen von Einheimischen der Geheimtipp schlechthin; an diesem ersten Abend in Bologna endete alles in Enttäuschung. Das erste Restaurant war schon ausgebucht. Es sah leer aus, aber alle Tische waren wohl reserviert. Dass es stimmte, haben wir später gesehen.
Das zweite war leeeeeer. Klar, wenn man um 19.00 Uhr essen geht (für Deutsche spät, für Italiener viel zu früh), dann ist das so. Ich hatte mir so viel Mühe gemacht und extra aus dem Internet eine Liste mit Speisen ausgedruckt, aber …
Der sehr ernste Kellner fragte als erstes nach Wasser. Wir hätten gerne an diesem ersten Urlaubsabend einen Aperitif gehabt. Fehler!!! Dazu geht man vorher in eine Bar. (Davon mal später). Also ein Glas Wein und Wasser, ‘acqua minerale frizzante’ zur Speisekarte, damit der Kellner vielleicht freundlicher guckt. Das Menü hätte genau so gut in Portugiesisch sein können. Die Grundwörter versteht man (agnello=Lamm), aber dieses ‘alla …’ kann man manchmal auch im Deutschen nicht entschlüsseln. Oder wisst ihr, was ‘auf badische Art’ bedeutet?? Ne? Na also!
Auch die Konsultation des kleinen Wörterbuchs und des Sprachführers half da nicht weiter, der Kellner schon gar nicht. (Ich spüre schon wieder Wut auf ihn …). In Italien gibt es immer als erstes Gericht Pasta (primo piatto) und dann das secondo, irgendein Fleischgericht oder Fisch, zu dem man die Beilagen extra bestellt. Natürlich kann man auch noch eine Vorspeise (Antipasto) nehmen, aber wer hat so viel Platz im Magen?
Nach den anstrengenden Konsultationen sanken wir lässig zurück und taten unsere Bestellung kund. Doch das von uns Ausgesuchte war gerade ausgegangen, sowohl primo als auch secondo. Na wenn schon, inzwischen war es uns egal, welche Art von Pasta wir essen würden. Dann eben kein Bauchnabel. ??? Ja, die Bologneser erheben für sich den Anspruch, die Tortellini erfunden zu haben. Sie sähen so aus wie der Bauchnabel der Venus. Also heute keine Bauchnäbel. Die werden teils selbst gemacht, teils in der ‘Fressgasse’ gekauft:
Um es kurz zu machen: die Pastasoße ein wenig zu fett, der Salat zu kalt, die Tomaten geschmacklos (aus Ho.ll.and?), der Kellner nicht in der Lage, verständlich oder gar langsam Italienisch zu sprechen oder die Mundwinkel zu einem Lächeln zu verziehen. Aber das Hauptgericht: winzige Lammkoteletts, trocken und zäh. Bäh!
Ein voll gelungener Abend ;-( Und da ich schon mal das Essen kritisiere, mach ich es hier in einem Aufwasch und berichte danach nur noch von positive Essensdingen.
MEINE Salatsoße schmeckt uns besser; es gefällt mir nicht, Essig und Öl einfach nur drüber zu gießen. Btw.: auch ich benutze kaltgepresstes Olivenöl bester Güte und Essig aus Modena, schon seit längerem. – Ich finde es ungesund, erst allerfrühestens um 19.00 Uhr mit dem Essen zu beginnen und ich weiß nicht, wer das alles essen soll. Erster Gang: Pasta, zweiter Gang Fleisch oder Fisch mit Beilagen. Ich bedauere es immer sehr, am Ende keinen ‘Platz’ mehr für die ‘dolci’ zu haben, die wirklich sehr guten italienischen Desserts.
Und dann gibts da noch die Sache mit den Aperitifs …

26. September 2008 um 10:38
…….na das war ja eine „Odyssee“….
Das hat Jörg schon gesagt, der mal dort gearbeitet hat, dass das mit dem Essen dort so viel anders ist wie hier. Er meinte, die Speisen kommen ungewürzt, und das man das selber machen muss.
Für´s „späte Essen“ bin ich auch nicht zu haben,…sei denn,..ich geh´auch spät ins Bett. Da ist es gut, wenn nicht schon wieder all´zu früh der Magen knurrt……
Liebe Grüße
GRye Owl