Kommunikationsstörungen

Er wollte uns etwas sagen – glaube ich – aber wer versteht schon Automaten? Und die von der DB schon gar nicht. Dabei kann dieses arme Ding nix dafür, so einem ‘Verein’ anzugehören. € 9,90 war der Preis, Mr. April bezahlt mit einem Zwanziger, zumindest wollte er das. Aber wie der Schein auch gedreht und gewendet wurde, er wurde zunehmend verzweifelt vom Automaten ausgespuckt und von uns ebenso wieder zurückgenommen. Bis der nette Herr im Schalterverkauf erklärte, dass man in diesem Fall maximal mit einem Zehner bezahlen darf. ??? Wo steht das? Wer weiß das?

Der Automat verdrehte verzweifelt die Augen und gab dann auf. ‘Wenn die nicht anders wollen und mich nicht verstehen …’ dachte er und spuckte den Fahrschein aus. Dabei schien er uns warnen zu wollen …

Wir warteten frohgemut auf den Zug der nicht kam – Totalausfall. Der Nächste? Wer weiß? Herr ‘Mehlwurm’ vielleicht, dieser Möchtegern-Börsianer? Zusammengefasst: zwei Züge fielen aus, der dritte wurde selbst mit Verspätung dankbar bejubelt, nein, gestürmt. Auch der kleine Paniker, der sich vordrängen wollte, musste warten und maulte, weil ich mich nicht abdrängen ließ.

Hätte ich vielleicht, denn es kann immer noch schlimmer kommen. Was ist das Schlimmste?? Richtig! Ein Kegelclub. Bei meinen geringen Erfahrungen in diesem Metier weiß ich allerdings nicht, ob Frauen- oder Männerkegelclubs schlimmer sind. Macho-Sprüche oder Kreischen? Bier oder süßer Sekt? (Wie heißt er doch gleich? Asti spumante?)

Es ist immer DAS schlimm, was man gerade erleiden muss, in diesem Falle die Kegelbrüder: stinkend und schwitzend, Dosenbier saufend und blöde Sprüche klopfend ließen sie sich rund um uns nieder. „Warum seid ihr nicht aufgestanden und weggegangen?“ Ja, wohin denn, wenn zwei Züge ausgefallen sind und die Menschen mit ihrem Gepäck schon in den Gängen und auf den Plattformen stehen?

Mr. April schließt ergeben die Augen, ich öffne ergeben meinen Roman, aber konzentrieren kann man sich nicht, wenn über einen hinweg gebrüllt wird. Endlich unsere Station. Nichts wie raus. Warum rennt Mr. April nur so schnell? Sonst schimpft er immer über meinen Lehrerinnenschritt und fragt, ob ich gleich eine Unterrichtsstunde hätte? Jetzt will er nur ‘nur noch weg’ als ob der Teufel hinter seiner armen Seele her wäre. Dabei sind es doch nur die Kegelbrüder.

Und der Rest war dann schön, oder? Nun ja … Mr. April wollte sich lieber auf die Rheinsteig-Symbole verlassen als auf mich. Das hat er bitter bereut. Doch ja, das Ende war gut, gestern …

4 Antworten zu „Kommunikationsstörungen“

  1. wildgans sagt:

    wie du so bist, wie du so alles erlebst-
    einiges wird mir geliefert an gründen, nicht gerne zug zu fahren-
    am wenigsten mag ich, wenn es eng ist- und das den blicken fremder ausgesetzt
    zu sein, viele starren einen an- gut, man kann sich in eine zeitung oder ein buch
    vertiefen-
    aber wie du schreibst, gegröhle, kreischen, toben, handygequatsche überlaut,
    belanglose unterhaltungen, die man zu hören gezwungen wird- manchmal lernt man
    ja auch liebe menschen kennen, mit denen man sich wie in einer erzählhütte unter-
    halten kann- saufende, stinkige kegelbrüder, bäh, da wäre mir beinah übel geworden…
    heute wieder so ein ausflug?
    gruß von sonia

  2. april sagt:

    Sonia, das war zum Glück nur auf der Hinfahrt so (vorgestern übrigens). Normalerweise schätze ich das Zug fahren sehr: umweltfreundlich, entspannend, man kann aus dem Fenster gucken oder sich unterhalten oder lesen und man kann auch unterwegs ein Glas Wein trinken. So ein Chaos ist zum Glück nicht immer.

    Nein, sonntags machen wir keine Ausflüge, dann ist alles überfüllt. Allerdings werde ich mich gleich doch unter Menschenmassen mischen, nicht ganz freiwillig, sondern als Begleitung meiner alten Mutter, die da so gerne hin möchte. Auch dafür habe ich ja jetzt Zeit.

  3. landgefluester sagt:

    oh, das klingt nach extrem doofer Zugfahrt. Schade. Zugfahren kann so nett sein.

    Ich wünsche Dir einen schönen Wochenbeginn. Liebe Grüße.

  4. april sagt:

    Danke, liebes ‘Landgeflüster’. Diese mal wieder negative Erfahrung wird mich nicht vom Zugfahren abbringen. Dir auch einen guten Wochenstart!

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