Der November naht

23. Oktober 2008

Für viele mag das ein trister Monat sein … auch ich liebe die feuchte Kälte nicht, die über diesen Tagen hängt. Es ist aber auch der ‘National Novel Writing Month’, der Monat, in dem sich in den USA und inzwischen auf der ganzen Welt Tausende hinsetzen und versuchen, einen Roman zu schreiben. Der ‘Erfinder’ hat nicht nur ein Buch geschrieben (das ich hervorragend finde und das witzig geschrieben ist), sondern auch eine Bewegung ins Leben gerufen, die natürlich eine Webseite hat. (Die ist in der Buchbesprechung verlinkt).

Da ich schon mal angemeldet war, habe ich eine Erinnerungsmail bekommen, mich aber dann über die Nutzungsbedingungen gewundert. Die Betreiber nehmen sich das Recht heraus, sie jederzeit zu ändern ohne dies den Nutzern mitzuteilen. Jeder muss selbst hin und wieder überprüfen, ob sich etwas geändert hat. Wenn ich auch nicht ernsthaft an einen Missbrauch glaube, so kann ich diesen Nutzungsbedingungen nicht zustimmen. Also kann ich da nicht mitmachen und bin froh über diesen Gedankenanstoß.

Ganz plötzlich ist mir klar, dass ich im Moment gar nicht versuchen will, ein Buch zu schreiben, weil die ‘Familienchronik’ Vorrang hat. Ich kann Italienisch lernen UND an der Familienchronik basteln, aber diese UND ein Roman, das beißt sich. Das ist unvereinbar.

Und nun bin ich froh, dass ich mich entschieden habe. Ich werde meine Ideen aufschreiben, damit sie nicht verloren gehen, werde mich aber ansonsten weiter mit dem Projekt ‘Familienchronik’ beschäftigen. Zwei passende Büchlein liegen schon zum Lesen bereit.


Unter erschwerten Bedingungen

20. Oktober 2008

Es ist schon ein wenig schwierig – für beide – wenn einer fotografiert und der andere nicht. Die ganzen Sonnenuntergangsfotos vom Samstag wurden sozusagen ‘heimlich’ gemacht. Wir waren zu spät losgefahren, wir hatten uns zu lange beim leckeren Essen aufgehalten, wir hatten uns zu lange den Ort angeguckt … und nicht daran gedacht, wie früh im Herbst die Sonne untergeht (nicht zu sprechen vom Zug, der erreicht werden musste). Also: „Fotografieren kannst du jetzt aber nicht mehr.“ Konnte ich doch!!! Mr April geht sowieso immer voraus und man kann da so eine gewisse Technik entwickeln: im Gehen die Kamera herausholen, anschalten, auf ‘Landschaft’ stellen, stehenbleiben, Luft anhalten, Schuss, und weiterlaufen (ja, es war dann fast ein Laufen). Dass die Fotos dann aber was geworden sind, wundert mich. Vielleicht sollte ich immer im Vorbeilaufen fotografieren.


Charme-Attacke? Eine Fahrt mit der Bahn

19. Oktober 2008

Service-Offensive? Image-Verbesserung? Wahrscheinlich nur ein ganz besonders netter Lokführer. Man ist eben nichts Gutes mehr gewöhnt. Da ist man angenehm überrascht, wenn nach der Abfahrt verständlich durchgesagt wird, wo der Zug halten wird. (Das ist bei dem Unterschied zwischen Regionalbahn und Regionalexpress nicht immer ganz klar.) Und dann ist man fast sprachlos angesichts der Erklärung, warum sich der Zug auf dem Hauptbahnhof 10 Minuten Verspätung eingehandelt hat. Nicht wegen der Gründe, sondern weil man ausnahmsweise mal informiert wird, weil man als mündiger Fahrgast behandelt wird. So ist der Normalzustand schon eine Ausnahme; für eine Selbstverständlichkeit möchte man sich am liebsten beim Lokführer bedanken und ihn als leuchtendes Beispiel hinstellen, was ich hiermit tue.

Im Hauptbahnhof ein unglaubliches Grölen. Es kommt aus dem Zug gegenüber und schallt durch die ganze Halle. Ein Sonderzug mit Fußballfans, die alle aus dem Fenster hängen, auch noch als der Zug schon fährt, zeitgleich mit unserem. Die Waggons kommen sich im Gleisfeld immer näher, so dass es fast wie ein Zusammenstoß aussieht. Die sogenannten Fans sind wohl größtenteils betrunken; einer wirft etwas gegen unseren Zug. Ein Glück, dass die Scheiben stabil sind. Dann fährt der Sonderzug davon, mit Vorrang, deshalb die Verspätung für uns. Wahrscheinlich ist die Bahn froh, so einen Säuferzug möglichst schnell aus dem Bahnhof zu bugsieren bevor dort etwas passiert.

Nachdem ich ein paar Personenstudien gemacht habe, packe ich mein Buch aus und lese. Heute wird meine neue Jacke eingeweiht. Das waren ca. 16 km gestern, 16 km, bei denen es rauf und runter ging und die mit schnellem Schritt gelaufen wurden, besonders zurück. Mit Ach und Krach haben wir den Zug nach Hause erwischt. Besondere Vorfälle gab es keine, aber er wurde zunehmend voller je näher er Köln kam. Die zuletzt einstiegen, mussten stehen. Was für eine Bahnpolitik, die nicht einmal in der Lage ist, sich auf den Bedarf einzustellen.

Gestern Abend dachte ich noch, ich müsste heute an Krücken gehen, aber nein, gar nicht. Je mehr man sich bewegt, desto besser fühlt man sich anscheinend.


Angst vor Spinnen?

16. Oktober 2008

Dann hier NICHT gucken.


Der alte Grantler und Else Stratmann

16. Oktober 2008

Sehr zwiegespalten fühle ich mich, weshalb ich auch jetzt erst ein paar Sätze zum zurückgewiesenen Fernsehpreis schreibe. Das wird also kein zusammenhängender Text, sondern es sind widersprüchliche Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, denn wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte.

Meine erste Reaktion war natürlich auch: Warum ist er überhaupt hingegangen und hat nicht vorher schon abgelehnt? – Er sagte, er wusste nicht, was ihn erwartet. Ich wusste auch nicht, wie solch eine Sendung abläuft und wer da alles nominiert und ausgezeichnet ist. Wenn ich allerdings lese, dass „Deutschland sucht den Superstar“ einen Preis bekommen hat, dann kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln.

Auch ich finde das Niveau im Fernsehen, besonders nachmittags grauenhaft, aber man muss es nicht gucken. Es gibt einen An-/Aus-Knopf. Aber: wieviel Verantwortung haben die Verantwortlichen gegenüber der großen Masse der Fernsehschauenden? Die Privatsender geben dem Publikumsgeschmack hemmungslos nach und die öffentlich-rechtlichen scheinen sich in gewisser Weise angepasst zu haben, um ‘Quote zu machen’.

Witzig, wenn man die Leserbrief in der Tageszeitung liest: alles Leute, die den Fernseher nicht anmachen oder gar keinen haben, hochgebildete Zeitgenossen. Mal ehrlich: lest ihr alle Goethe, Shakespeare oder Grass? Wie wäre es mit einer gesunden Mitte, mit einer realistischen Sicht der Dinge? Es gibt Menschen, die den ganzen Tag gearbeitet haben und sich abends ein bisschen entspannen wollen. Ist es so schlimm, wenn die etwas Seichtes gucken?

Ich bewundere die Gradlinigkeit, mit der Reich-Ranicki den Preis abgelehnt hat und es ist gut, wenn eine Qualitätsdiskussion in Gang kommt (was mir allerdings fraglich erscheint). Was ich nicht mag, ist maßlose Selbstdarstellung und Arroganz und das Sich-Erheben über alle, die literarisch nicht so gebildet sind.

Interessant Elke Heidenreichs Sicht der Dinge; Reich-Ranicki selbst zur Ablehnung.