Studieren und arbeiten

Früher war wirklich alles gemächlicher, auch das Studieren. In den Semesterferien konnte man bequem arbeiten gehen. Heutzutage haben die Studenten in den „Ferien“ eine Menge zu erledigen: Referate und Arbeiten schreiben, Praktika und Exkursionen durchführen, u.v.m. Das ist Stress und verlängert die Studienzeit.

Bei mir war das damals nicht so und ich hatte ein paar typische Studentenjobs: Inventurrechnen und Bücher verkaufen in einem großen Kaufhaus; in der Gummifädenfabrik (die es nicht mehr gibt) Badehaubenkommissionen zusammenstellen; Lagerarbeiten in der Schokoladenfabrik Stollwerck (die Gebäude sind inzwischen abgerissen); die urlaubende Sekretärin in einem kleinen metallverarbeitenden Betrieb vertreten; Büroarbeiten in der Abteilung ‘Schulfernsehen’ des WDR.

Schade, dass aus dieser Zeit so wenig Fotos existieren; Erinnerungen gibt es viele. Ich könnte was über vorsintflutliche Rechnereien schreiben, von Paternostern und Buchwetten, über meinen privaten Straßenbahnfahrer, warum ich mich abends auf Emma Peel gefreut habe, warum ich monatelang kein Marzipan und Nougat mehr ’sehen’ konnte und wie ich beinahe Hoteliersfrau in der Nähe von Venedig geworden wäre oder vielleicht auch Maharani in New Delhi (na ja, übertrieben).

17 Antworten zu „Studieren und arbeiten“

  1. Frau Momo sagt:

    Ich möchte heute auch nicht studieren müssen… das ist ja gräßlich verschult…. ich hab mein ganzes Studium über gearbeitet, in der Kneipe, im Büro, alles mögliche. Und wenn ich nicht gearbeitet habe, saß ich im Fachschaftsrat, Stupa, Fachbereichsrat, Studienreformausschuß und in diversen Friedensbewegungsgruppen.
    Äh, ja doch, ich hab auch irgendwann mein Staatsexamen zusammengebastelt und darf mich seither Juristin schimpfen.

  2. polyesther sagt:

    das deutsche und das belgische hochschulsystem lässt sich nur schwer vergleichen. bei den schülern (nicht studenten!), stelle ich eigentlich genau das gegenteil fest: ich frag mich manchmal worin sie mehr zeit investieren. im studium oder im nebenjob? jedenfalls treffe sämtliche schüler am wochenende und in den ferien an allen möglichen kassen usw.
    undenkbar zu meiner zeit! ich war nie vor fünf uhr zu hause während der woche und selbst samstags war unterricht bis 13h. da blieb gerade mal der sonntag zum verschnaufen…und um hausaufgaben zu machen.
    während meiner studentenzeit ging ich allerdings in den sommermonaten arbeiten, da hatte man ja auch 3 monate frei, wenn man denn keine nachprüfungen hatte…

  3. Nicole sagt:

    Auf die Geschichte freue ich mich schon :)
    Heute ist es glaube ich auch nicht mehr so „einfach“ kleine Nebenjobs zu finden.
    Als Teenager habe ich Blumen auf dem Mark verkauft (wollte eine zeitlang Floristin werden), Inventuren gemacht, Promotions fuer Sachen, die keiner braucht (wurde aber gut bezahlt),….
    FuerSekretaerinnenvertretung heute musst Du ja schon fast studiert haben und um bei uns in der Keksfabrik einen Nebenjob zu kriegen, ich weiss nicht, was Du dafuer mittlerweile brauchst.

  4. april sagt:

    @ Frau Momo: Und das sind auch Zeiten, an die man sich gerne zurück erinnert, wie ich aus deinem Kommentar lese. Ja, und man hatte noch Zeit, sich zu engagieren. Nicht umsonst waren wir die Protestgeneration, die 68iger.

  5. april sagt:

    @ Polyesther: Stimmt, viele Schüler heutzutage gehen arbeiten. Aber wenn ich mal ganz ehrlich bin, auch in der Schule hatten wir es damals leichter. Ich möchte heutzutage kein Schüler mehr sein. Aber vielleicht gilt das nur für das nordrhein-westfälische Schulsystem.

  6. april sagt:

    @ Nicole: Das war damals ganz einfach. Es gab Aushilfsjobs in Hülle und Fülle.

  7. sachensucherin sagt:

    und ich denke, es würde den heutigen studenten nicht schaden, wenn sie ein wenig das „echte leben“ mitbekommen würden. (ist natürlich weniger den studenten anzulasten als den vollen stundenplänen)

    in einer schokoladenfabrik habe ich nie gearbeitet, das wäre mein traum. ich musste mal eine aufmessen, aber die war leider schon leer…

  8. april sagt:

    @ sachensucherin: Na, so toll war das mit dem Traum am Ende nicht; vielleicht schreib’ ich noch was drüber.

  9. sachensucherin sagt:

    so ist es ja meist mit den Träumen. In Wirklichkeit sind sie ganz anders…

  10. april sagt:

    @ Sachensucherin: Aber man sollte trotzdem träumen im Sinne von ’sich etwas herbei wünschen’.

  11. Linda sagt:

    Apropos Emma Peel, auf Arte wird in der kommenden Woche jeden Werktag eine „Mit Schirm, Charm und Melone“Folge gesendet.Mein DVD Recorder ist programmiert.
    Gruß Linda

  12. april sagt:

    @ Linda: Oh, danke für den Hinweis, Linda :-)

  13. Tasha sagt:

    isch habe nischt studiert.
    ich war seit je her eher der handwerker. obwohl so dinge wie innenarchitektur und design finde ich aus heutiger sicht interessant. nu ists zu spät…. nu bin ich alt ;)

  14. april sagt:

    @ Tasha: Ich finde es schade, dass handwerkliche Berufe nicht das tolle Image haben, das sie verdienen. Ich stelle mir vor, dass es sicher sehr befriedigend ist, wenn man etwas erschaffen hat (so wie du deine Stühle). Ich bin designerisch leider nicht talentiert.
    Zu spät? Manches ist nie zu spät. Wenn ich sehe, was gerade im Internet läuft: da wird Selbstgenähtes verkauft, das boomt geradezu. Du könntest deine Stühle sicher auch gut verkaufen, so schön wie die sind. Oder hängst du zu sehr dran?

  15. Tasha sagt:

    ich habe da einen traum. einen schon alten traum. einen antiquitätenladen. einstweilen ist der mister im fokus aber wenn es ihm besser geht ( was es wird, dauert eben nur ) werde ich das nochmal in angriff nehmen. ich war schonmal damit angefangen und gerade die farblich aufgearbeiteten sachen verkaufen sich wirklich gut. nur ein beispiel. ein sofa aus einer haushaltsauflösung für 20€ gekauft, aufgearbeitet und gut 100€ investiert und verkauft für 800€
    das würde also laufen, nur mangelt es mir gerade an zeit. bei dem umbau liegt unser hauptaugenmerk aber schon auf eine wetterfeste werkstatt, damit es wenn, denn auch losgehen kann :)

  16. Tasha sagt:

    einer wetterfesten… mein deutsch ist heut zum weglaufen

  17. april sagt:

    @ Tasha: Aha, es ist also tatsächlich nicht zu spät und du hast schon konkret angefangen. Super!

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