„Die Platte“

So nennt man die berühmt-berüchtigten Fertigbauhäuser, meist recht hoch gebaut, die so typisch für Städte in der ehemaligen DDR sind. Auch hier im Westen gibt es Ähnliches, nur nennt man sie nicht so. Und: sie sind eher weit draußen, was auch sehr schlimm ist und zu Ghettobildung führt. Aber was im Namen des Sozialismus angestellt wurde ist haarsträubend. In den meist vom Krieg verschont gebliebenen historischen Innenstädten ließ man wertvolle Bausubstanz verfallen und verrotten. Dann wurde abgerissen und durch Plattenbauten ersetzt, mitten hinein in Straßenzüge mit klassizistischen oder Jugendstilhäusern. Aua!!

Plattenbauten in Gotha

In Gotha hat sich die Platte weit in die Innenstadt hineingefressen, so dass der Blick in Seitengassen hinein schnell an solchen Fertigteilblöcken hängenbleibt. Zugegebenermaßen: einige sind inzwischen renoviert und haben wenigstens ihre graue Tristesse verloren. Aber im Vergleich mit den prachtvollen historischen Fassaden können sie nur verlieren.

Gotha

Ein Haus von vollendeter Schönheit, zartfarbig restauriert und sogar das alte Pflaster ist noch vorhanden. (Lediglich die allgegenwärtigen Reklame-, Stolper- und Fotografierstörtafeln sollte man verbieten. Einfach einsammeln und den Sprayern überlassen ;-) ) Ich würde auch den Bereich zwischen Schloss und Hauptmarkt von parkenden Autos befreien und die Rathausumgebung von hässlichem West-Betonpflaster. Gerade DA gehört das nicht hin. Es sind nur Kleinigkeiten, aber die machen viel aus.

9 Antworten zu „„Die Platte““

  1. Tasha sagt:

    ist das nicht gruselig?
    in kiel gibt ein solches richtiges ghetto. in den sechzigern gebaut um den wohnungsnotstand zu beheben. name „mettenhof“. ein ehemaliger bauernhof wie man aus dem namen folgern kann, um den herum kleine einfamilienhaus-siedlungen enstanden. bis eben die hochhäuser kamen.
    vom ersten tag an ein sozialkritisches projekt. es waren anfangs ausschliesslich sozialbauten und heute…
    ja heute hat mettenhof einen ausländeranteil von über 60%. man ist zwar angefangen einige der „platten“ attraktiver zu gestalten aber der leerstand beträgt mittlerweile mindestens 10% tendenz steigend.
    ich weiss nicht, egal ob nun in den städten oder wie m-hof als eigene… muss sowas sein? ich kriege alleine bei dem gedanken anfälle in sowas wohnen zu müssen!

  2. april sagt:

    Ich sage immer: wer so was baut bzw. zu verantworten hat, der müsste da selber ein Jahr drin wohnen – und bei manchen Gebäuden auch gegenüber und dann müssten sie stundenlang drauf gucken. Man kann auch sehr gut auf andere Art verdichtet bauen; es gibt ja auch gute Beispiele.

  3. Elke sagt:

    Es ist jammerschade, dass im Osten auf viele alte Bausubstanzen kein Wert gelegt wurde. Ich war echt erstaunt, als ich mitbekam, dass die Platte keine tpische DDR-“Wohnkultur“ war.

  4. Frau Momo sagt:

    Wir haben hier auch ein paar dieser Unschöner Wohnen Siedlungen…. grauenhaft.
    Bausünden übelster Art…. leider.

  5. april sagt:

    @ Elke: Zum Glück gibt es aber noch genug und zwar viel mehr als im Westen. Da kann man dann mal sehen, wie schön unsere Städte mal waren.
    Oh ja, hier gibt es auch grauenhafte Wohnsilos; die sind auch aus Fertigbauteilen. Der Unterschied: sie sind außerhalb und nicht mitten in den Städten wie im Osten Deutschlands. Das macht sie nicht weniger schlimm, vielleicht sogar schlimmer, diese Ghettos.

    @ Frau Momo: Ja, unschöner wohnen und un-menschlich auch.

  6. Nicole sagt:

    Schade, schade. :(
    Darueber habe ich mich ja schon mal ausgelassen.
    Es waere schoen, wenn Staedtebaumeister vielleicht auf Besucher und Anwohner hoeren wuerden, aber das wird wohl nie passieren :(

  7. april sagt:

    @ Nicole: auf die Bürger wird wohl am wenigsten gehört und in der ehemaligen DDR schon gar nicht, Diktatur eben.

  8. lamiacucina sagt:

    Fotografierstörtafeln :-) stelle ich seit kurzem beiseite, ohne sie wieder an ihren Ort zurückzutun.

  9. april sagt:

    @ lamiacucina: Oh – gute Idee. Aber da hätte man dort viel zu tun. Sie sind allgegenwärtig.

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