Perfektionismus

Es gibt Bücher, zu denen man trotz mehrfachen Anlaufs keinen Zugang findet. Dieses war für mich so eines:

Ein perfektes Buch für Frauen, die weniger perfekt sein wollen, also eigentlich ein Anachronismus, denn dazu muss man erst mal sehr perfekt sein: den theoretischen Unterbau des Buches verarbeiten, die vielen Fragebögen ausfüllen … richtige Arbeit ist das. Aber es hat ja noch nie fitter gemacht, über Kniebeugen zu lesen. Man muss es schon tun, seine Werte herausfinden und Ziele aufstellen, diese nach Priorität staffeln. Nein, so perfektionistisch will ich gar nicht mehr sein.

Ich möchte konkrete Ratschläge lesen und damit wartet das Buch auch auf: Wie findet ihr das, euch absichtlich einen kleinen Tintenfleck ins Gesicht zu machen? Das könnte sogar sexy sein ;-( Ich glaube, bei mir nicht mehr – ich werde es mal bei Herrn April testen *lol*, aber ich habe da wenig Hoffnung. Tintenflecke und Kreidespuren haben noch nie bewirkt, dass mir Kollegen und männliche Schüler zu Füßen lagen.

Und wenn man nicht perfekt sein kann oder möchte, dann könnte man so tun als ob. Da gibt das Buch einen wunderbaren Ratschlag für alle Möchtegerns und Angebertypen: Eine leere Flasche teuren Weins verwahren, beim nächsten Besuch billigen Wein in eine Karaffe füllen und die leere (vom teuren Wein) daneben stellen. Na, ist das kein toller Tipp?! :-( Ich sage nur: Vorsicht! Keine Mouton-Rothschild-Flasche neben eine Karaffe mit Dornfelder stellen, wenn ein Weinkenner zu Besuch ist. Das könnte böse enden.

Und spätestens an diesem Punkt habe ich das Buch zugeklappt, mich zufrieden zurückgelehnt und festgestellt, dass sich mein Perfektionismus anscheinend genau so heimlich verflüchtigt hat wie meine Höhenangst.

(Becker/Meyer-Kles: Lieber schlampig glücklich als ordentlich gestresst, campus-Verlag)

16 Antworten zu „Perfektionismus“

  1. chinomso sagt:

    Spätestens bei Wein-Ratschlag wär mir das zu blöd gewesen. Das mit der Tinte? Ja, warum denn nicht?

  2. sachensucherin sagt:

    das hat doch mit echter gelasenheit nichts zu tun, das ist eine billige inszenierung. eine inszenierung von pseudo-gelassenheit. finde ich.
    aber ich kann mir auch nicht vorwerfen, zum perfektionismus zu neigen, insofern könnte ich so ein buch nur mit sehr, sehr viel abstand lesen.

  3. april sagt:

    @ chinomso: Ich finde, man braucht keinen absichtlich gemachten Tintenfleck; es gibt auch so genug, was ‘nicht perfekt’ ist. Und wenn man dann drüber lachen kann, ist es gut.

    @ sachensucherin: Ich stimme dir zu, wahrscheinlich ein attraktiver uchtitel, der mit ‘irgendeinem’ Inahlat gefüllt werden musste.

  4. Ruthie sagt:

    Eins der neuen Bücher? Scheint sein Geld nicht wirklich wert gewesen zu sein…

    Willst Du denn immer perfekt sein? Oder schaffst Du es sogar (fast)?

  5. april sagt:

    Nein, ein bei Tauschticket getauschtes Buch.

    Perfekt sein? Hm, noch vor einem Jahr hatte ich das Gefühl, beruflich perfekt sein zu müssen, immer kompetent, immer Vorbild, immer pünktlich, etc. Das erwartet die Gesellschaft auch von Lehrern :-(( Jetzt bin ich frei, will nicht mehr perfekt sein, darf Fehler machen und menscheln. Ne, wer ist schon perfekt? Ich nicht und ich will es auch nie mehr sein.

  6. Ruthie sagt:

    Okeh, dann ist der „Schaden“ ja nicht so groß :D

    Nö, ich glaub auch nicht, dass man perfekt sein muss. Wie Du schon sagst: Man schafft es eh nicht. Und den Druck kann man sich doch sparen, gell?

    Liebe Grüße von Ruthie

  7. lamiacucina sagt:

    Auf die Umkehrung des Versuchs: eine leere Flasche Dornfelder neben einer Karaffe mit Mouton-Rothschild wäre ich gespannt.

  8. wildgans sagt:

    seufz- hat richtig gut getan, auch lächeln lassen, deine rezension.
    das lächeln entstand ob der tintenfleck verursachten liebhabermöglichkeiten…

  9. april sagt:

    @ Robert: Das kommt auf den Gast an; manche würden das vielleicht nicht merken ;-) Würde ich??

  10. april sagt:

    @ wildgans: Vielleicht geht das auch mit Kreideflecken?

  11. chinomso sagt:

    Komm, als Lehrerin hast du sicher das eine oder andere mal nen Tintenfleck wo gefunden. Im Gesicht vllt. auch mal? Oder nur Kreideflecken? Oder nur Kreidekreis? Oder Kreidefelsen? Oder Rotkäppchen & der Wolf?

  12. april sagt:

    @ chinomso: Oh, ich habe ganz viel gefunden; die Schüler mussten ja auch mal was zu lachen haben ;-)

  13. Grey Owl Calluna sagt:

    Liebe April!
    Das wäre wohl auch nicht mein Buch.
    Perfekt war ich noch nie,….und seit vielen Jahren versuche ich so einen Unsinn auch nicht mehr.
    Reine Zeitverschwendung. Sein, wie man ist, und fertig.
    Wer mich so nicht will, wie ich bin,…der soll mir vom Hals bleiben……sag´ich immer.
    ….und von Angeberei habe ich noch nie etwas gehalten!
    Ganz liebe Grüße
    Grey Owl

  14. mona lisa sagt:

    Bin sicher die Rezesion ist das Beste an diesem Buch! (Gewollt und nicht gekonnt, ist noch nie gutgegangen, viellicht muss man sich erst einmal mit/ in seinem Perfektionismus etc. annehmen, um sich dann davon verabschieden zu können, wenn er sich überlebt hat, man/frau ihn nicht mehr braucht – für was auch immer!)

  15. Frau Momo sagt:

    Ich lebe den Buchtitel schon lange :-) Wobei schlampig wäre dann doch etwas übertrieben. Aber ich lebe bestimmt nicht für die Ordnung und Sauberkeit meiner Behausung, was nicht heißt, das beides nicht vorhanden ist. Das erstere weniger, das zweite mehr. Frau muß halt Prioritäten setzen :-)

  16. april sagt:

    @ Frau Momo: Genau, das ist es, Prioritäten setzen, wozu man wissen muss, was einem wieviel wert ist. das heißt tatsächlich nicht schlampig sein, aber es heißt, auch mal über was hinweg sehen können.

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