Das erste Mal in Paris / das erste Mal ohne Eltern
Diese wundervolle Stadt hatte so ein Image … die Stadt der Liebe, ein bisschen halbseiden, ein Traum, Montmartre, das Verruchte. Und als ich die Gelegenheit bekam, mit der ‘Sportjugend’ dort hin zu fahren, erlaubten es meine Eltern (ich war 17 oder 18 – in der Mitte).
Der Bus hielt unten an der ‘place Blanche’ und wir stiegen mit unserem Gepäck hoch, zuerst die rue l’Epic, dann weiter die rue Tholozé. Fast ganz oben lag unser Hotel, unterhalb der ‘Moulin de la Galette’, der Windmühle, wo Renoir eines seiner berühmten Bilder gemalt hat. (die halbrunde Schrift ganz oben Mitte). Wir waren entzückt, begeistert, aus dem Häuschen. Das wurde noch verstärkt, als wir im Zimmer neben uns einen lockenköpfigen jungen Maler vorfanden, der sich von Bananen und Büchsenmilch aus der Tube ernährte (so sagte er jedenfalls). Er war tagsüber auf der place du Tertre, wo sich die Kitschmaler versammeln. Aber damals fühlten wir drei Mädchen, die wir zusammen ein Zimmer in diesem dreckigen Hotel bewohnten, uns schon halb als Malermodelle. Wir kicherten noch lange darüber, was das wohl bedeuten würde, und auch über das Bidet in unserem Zimmer, das wir nur vom Hörensagen kannten und das auch etwas Verruchtes an sich hatte.
An einem Abend hatten wir Karten fürs ‘Moulin Rouge’. Ich spüre noch heute die Peinlichkeit, als dort über Deutsche hergezogen wurde (“Jawoll”) und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Dieser verständliche Unmut den Deutschen gegenüber wurde mehr als wett gemacht durch ein Erlebnis mit einem alten Mann in einem Keramikgeschäft in der rue Tholozé. Ich wollte ein Andenken für meine Eltern kaufen und bekam noch eine Schale für mich dazu geschenkt. “C’est un cadeau pour vous”, sagte der alte Mann mit heiserer Stimme. Dieses Geschenk hat mich fast zu Tränen gerührt. Damals war ich zu schüchtern, heute würde ich ihn umarmen.
Nach dem Varieté gingen wir noch aus. Es war laut, es wurde viel getrunken, da waren nette Jungs, mit denen wir auf Französisch radebrechten, bis sich am Ende rausstellte, es waren Engländer. Da mein fester Freund gerade kurz vorher mit einer meiner Freundinnen heftig geflirtet hatte, sah ich keinen Anlass, mich zurückzunehmen … Die Engländer brachten uns ‘nach Hause’, aber leider habe ich den süßen ‘Tommy’ nie wieder gesehen.

Du kommst auf dem Foto aber auch daher wie ein Malermodell bzw. Mannequin! Alle Achtung! Und schön, deine Paris-Erinnerungen zu lesen!
Liebe Grüße!
total fesch siehst du aus. … was kostet die welt!?…
lg
waldviertelingrid
@ Freidenkerin & Ingrid: Wenn man das erste Mal in Paris ist und keine Eltern dabei …
ein tolles Photo und eine tolle Geschichte dazu. :)
Danke :-))
Ich bin begeistert, liebe april! Du hast das Stöckchen toll gefangen und mit einem zauberhaften Foto nebst aufregendem Text versehen. Sehr schön! *thx
@ Skriptum: Es ist aber auch ein besonders schönes Stöckchen. Und da ich gerade sowieso Materail für mein nächstes Fotobuch sammle, kommt mir das gerade recht. Vielleicht schreib’ ich noch was.
Es würde mich freuen, noch mehr von Dir zu lesen, liebe april! :)
@ Skriptum: Ja, mach ich, morgen. Es macht mir großen Spaß.
Wow, ich hätte dich irgendwie nicht in der Mitte des Fotos gesucht. Da hast du aber sehr knabenhaft ausgesehen. Aber irgendwie moderner als die beiden anderen. Die Mädels sahen ja aus wie 25 und nicht wie 17.
Aber die Geschichte drum herum ist wunderbar erzählt.Vielen Dank für diese schöne Erinnerung.
@ Chinomso: Ich war früher ziemlich … nennen wir es schlank. Und ein ziemlich hässliches Entlein. Aber nachdem ich mich kleidungs- und frisurmäßig vom Diktat meiner Mutter befreit hatte, wurde es besser.
Nix da. Keine Spur von hässlichem Entlein. Jedenfalls nicht auf dem Foto.
@ Chinomso: auf diesem Foto nicht, aber du solltest mal welche sehen als ich 14/15 war.
So schön! Ich war das erste Mal mit 14 in Paris, auch ohne Eltern. Allerdings war ich nicht so hübsch wie Du. Du siehst fantastisch auf dem Foto aus. Und überhaupt das Foto… Hach.
@ Frau Landgeflüster: Was? Mit 14? In dieser sündigen Stadt? ;-)
Das mit dem ‘nicht so hübsch’ glaube ich nicht so ganz, hihi. Frag da mal den Michelmann, der wird es schon richtig stellen. Allerdings hättest du mich mal mit 14 sehen müssen (ganz schrecklich).
Meine Güte die Frisuren Ingrid, meine Mama sieht auch so auf den alten Fotos aus ” war das chic, das war Mode für Frauen einfach klasse und elegant…. Du siehst sehr hübsch aus auf dem Foto… Eine wunderschöne Frau !!
@ Frau Kunterbunt: Na ja, ich habe mich noch als Mädchen gefühlt damals. Aber Hosen waren seltener als Röcke. Heute würde ich niemals mehr einen anziehen.
Hallo liebe Ingrid,
eine schöne Idee zu diesem Stöckchen.
Und das Foto erscheint mir fast so, als würde das professionell aufgenommen sein!!
Klasse siehst das aus!!
LG Kerstin
@ Kerstin: Ich hab’ noch ein paar Ideen; es ist ein sehr anregendes Stöckchen. Du kannst es auch mitnehmen …
WOW – schaust auch wie ein Model :)
Toll!!
Paris war schon eine schöne Stadt… ich war auch zweimal da. 1982 und 1988.
@ Wortman: Danke, danke. Long ago. ‘Schaute’ ;-) Schade, dass ich das damals nicth wusste. Aber wer weiß, wofür’s gut ist/war.
Paris ist wirklich toll, vielleicht nicht ‘schön’, ein bisschen zu pompös, aber auf jeden Fall sehr interessant. Ich war immer nur kurz da, oft nur auf der Durchreise und da lernt man eine Stadt nicht wirklich kennen. Da würde ich gerne mal länger leben.
Was heißt schaute? Siehst bestimmt heute auch noch gut aus :)
Paris war schön. War zwar seit damals nicht mehr da, habe aber gehört, wo man früher noch überall in Ruhe schlendern konnte, stehen heute überall Polizisten, weil die Kriminalität so dermaßen angestiegen ist. Außerdem ist wohl die Stadt um einiges “dreckiger” geworden, als sie es damals schon war…
@ Wortman: Danke, was das das Aussehen anbegtrifft – im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.
Paris und dreckig? Das war einmal. Ich finde, im Vergleich zu Köln ist es sauber. Meine allerliebste Stadt, die ist wirklich dreckig. Die Bürger haben das natürlich selbst zu verantworten. – Was die Kriminalität anbetrifft … das kann sein. Es wird in den großen städten zunehmend kritischer, überall (nur in München wahrscheinlich nicht ;-)
Du warst Deiner Zeit damals weit voraus, wenn ich mir die anderen beiden Mädels so anschaue. Ich war 1975 das erste Mal in Paris, mit dem Bus für 99 DM übers Wochenende, 1 Nacht im Bus, 1 Nacht im Hotel und wieder 1 Nacht im Bus. Mein Mann, damals noch Freund, kannte sich in Paris Dank Schüleraustausch bereits aus, so dass wir die Tage voll ausnutzen konnten.
Grüßle Bellana
@ Bellana: Das machen viele und auch wir waren – zwar nicht mit dem Bus, aber doch immer nur ganz kurz da. Voll ausgenutzt haben wir die Zeit dann auch immer, aber man ist nachher visuell und von zu vielen Eindrücken total überlastet.
Ach ja: Zum Glück muss man sich keinen Kopf drüber machen, ob etwas damals gut/schlecht war, wenn man etwas verpasst hatte…
@ Wortman: Ich war früher sehr schüchtern und fand mich hässlich. Ein paar Jahre vorher – so mit 14/15 – war ich das auch, ‘dank’ der Dauerwelle, die meine Mutter mir gemacht hat und dank der Kleidung, die sie mir genäht hat. Hätte ein paar Jahre später einer was von Model gesagt, hätte ich es nicht geglaubt.
Hallo, Ingrid, du siehst aus wie 1,78 m plus, einfach umwerfend. – Konntest du damals schon so gut französisch, dass du in der Vorstellung alles verstanden hast?
@ Clara: Nein, ich konnte nur Schulfranzösisch, aber dass sie über die Deutschen herzogen, dass war nicht zu überhören. Ansonsten gab es noch die nackten Tänzrinnen und die Sprache versteht ja jeder ;-)
Von wegen nicht hübsch!! Ein super Foto von dir, wie ein Manneqiun auf dem Laufsteg.
Danke für die schöne Geschichte.
@ Anna-Lena: Das hätte mir damals mal einer sagen müssen :-)
Weil es damals keine/r tat, machen wir es eben heute. – Aber du hast mir nicht gesagt, ob du wirklich über 1,75 groß bist, so siehst du jedenfalls aus. Vielleicht warst du es ja damals, falls du es heute nicht mehr bist.
@ Clara: Hm, ich weiß es nicht. Ich glaube, ich bin 1,72. Mir sind Zahlen nicht so wichtig.
Wow, I’m going to start calling you Hollywood.
@ Ron: Oh, thanks, but that is too much …
Hehe, kann mir lebhaft vorstellen, wie ihr euren spass hattet :)
Und die Vorredner haben mit dem Modell recht, wow :D!
Das mit dem Moulin Rouge und ‘ueber die Deutschen’ herziehen ist schade, aber wenigstens kamen auch noch ein paar nette Menschen ueber deienn weg :)
PS: War auch bei den aelteren Beitraegen, die ich verpasst habe, aber bei vielen ist die Kommentarfunktion schon gesperrt,…
@ Nicole: Das ist wegen des vielen Spams, der zumeist auf ältere Beiträge kommt. Deshalb geht es nur bei den letzten 7 Tagen. So hab’ ich das eingestellt.
Jau, hatte ich dann doch noch gelesen – spaeter :D
@ Nicole: Wenn eine so schöne Frau wie du das sagt … – Ja, es gibt immer nette Menschen, auch unter denen, die unter den Deutschen gelitten haben.
:P Schoene Frau, klar ;)
Und irgendwie sind Deine Antworten nicht in meinem reader gelandet, hab grad nochmal doppelt gecheckt. Seltsam :(
WP hatte heute ‘Wartungsarbeiten’ (Serverprobleme?)
Ein schönes Stöckchen, das ich sehr gern mitgenommen habe!
Liebe Grüße
Verena
@ Verena: Freut mich; ich komme gerne bei dir gucken.
Olala!
Toll geschrieben! Ein schönes erstes Mal! Ich war auch einmal in Paris, da war ich 13 oder 14 und ich war in Begleitung meines Papas. Aber toll war es trotzdem. Wir fuhren den Eifelturm hinauf, und das ist mir unvergesslich!
Du hättest ja tatsächlich Model werden können, aber dann bist du Mr. april begegnet, nehme ich mal an, und es hatte sich ausgemodelt.
Lieben Gruss, Brigitte
@ Brigitte: auf die Model-Idee wäre ich nie gekommen. Und ich weiß auch nicht, ob das so ein toller Beruf ist. Ich glaube eher nicht.
Hach ja Paris zum erstenmal..*lächel
Hübsch und unternehmungslustig
schaust du aus!!
Nun das damals über Deutsche hergezogen
wurde, ist ja an sich kein Wunder..*seufz*
Kann mich diesbezüglich noch sehr gut an
meine erste Zeit im Ausland erinnern.
Ich liebe diese Stadt.
Da ich nicht nur privat sondern
vor allen dienstlich sehr sehr oft dort war,
kenne ich sie inzwischen sehr gut und fahre
immer wieder gerne hin.
ein sehr schönes Stöckchen, wie schon gesagt.
Herzlichst Elke
@ Elke: Dann können wir gemeinsam schwärmen. Paris ist immer wieder toll, nicht unbedingt ‘schön’, aber sehr interessant.
Oh ja Liebe Ingrid,das können wir..
stimmt nicht immer schön aber absolut
interessant..
Wunderbar… :) Danke für diese Erinnerung!
@ Sunny: Bitte, gerne. Mir macht das auch Spaß.